Wehrdener Wappen

Das alte gold über rot geteilte Wappen von Corvey bildet die Grundfarben. Ein gewelltes blaues Feld im unteren Teil symbolisiert die Weser, während der Wolf im oberen Feld aus dem Wappen des Fürstbischofs Wolff- Metternich dem Erbauer von Schloss und Kirche zu Wehrden stammt.

Der Bischofsstab erinnert an die vielen Verbindungen mit der Abtei Corvey und dem Bistum Paderborn, die Kornblume an Wehrden als Blumendorf zur Zeit des Kornackerschen Samenzuchtbetriebes.

Wehrden – Geschichte eines Dorfes an der Weser

 

 

Im Jahr 2010 konnte die Ortschaft Wehrden ihr 1150-jähriges Bestehen feiern und gehört damit zu den ältesten Dörfern im Oberweserraum. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Wehrden viel älter ist, als die auf das Jahr 860 datierte Ersterwähnung des Ortes als „Weredun“ in den Corveyer Traditionen, einem Verzeichnis der an das Kloster übertragenen Güter, vermuten lässt. Seit der Schenkung im Jahre 860 übte Corvey von diesem Zeitpunkt an über viele Jahrhunderte bis zum Jahre 1803 (Säkularisierung) die Grundherrschaft über Wehrden aus.

 

Wehrden als Adelssitz

Im 11. Jahrhundert übertrug Corvey den Ort als Lehen an das Adelsgeschlecht von Amelunxen. Das Lehensverhältnis mit der Familie von Amelunxen endete im Jahr 1695 mit der Übertragung des Lehens auf den Paderborner Fürstbischof Hermann Werner Freiherr von Wolf-Metternich zur Gracht. Ihm wurde damit die Grundherrschaft über das Gut und die dazugehörigen Ländereien in Wehrden übertragen. Er ließ von 1696 – 1699 die vorhandene baufällige Wasserburg zu dem heutigen Schloss umbauen.

Die herausragende Kostbarkeit der Innenausstattung des Schlosses ist das Ledertapetenzimmer, welches bis heute im Originalzustand erhalten ist. Das Schloss befindet sich immer noch im Besitz der Nachkommen des Fürstbischofs.

 

 

 

Zugleich ließ der Fürstbischof auch die dem Gutshof benachbarte Kirche erbauen und gab ihr die heutige Gestalt. So entstand das bedeutendste Ensemble Wehrdens, das abgerundet wird durch den in Richtung Weser sich erstreckenden Park mit dendrologischen Attaktionen.

 

 
Im Park erinnert der Droste-Turm an Annette von Droste-Hülshoff, die die Aussicht von ihm sehr schätzte. Da die damalige Schlossherrin ihre   „Tante Dorly“ -Dorothea von Wolff-Metternich geb. von Haxthausen, die Schwester ihrer Mutter- war, weilte die bedeutende Dichterin mehrfach in Wehrden. Diese Aufenthalte fanden ihren Niederschlag in dem Schaffen der großen deutschen Dichterin und machten Wehrden in der literarisch und kulturgeschichtlich interessierten Welt bis heute zu einem festen Begriff.
 

 

Auch in der politischen Geschichte hat das Schloss Wehrden seinen Platz. Die Familie von Wolff-Metternich hat tüchtige und angesehene Verwaltungsbeamte hervorgebracht, die ihren Wohnsitz im Schloss Wehrden hatten. So war Philipp Freiherr von Wolff-Metternich von 1803 – 1807 Landrat des preußischen Kreises Warburg, von 1808 bis 1815 im Königreich Westphalen Unterpräfekt des Distrikts Höxter und schließlich von 1816 bis 1845 erster Landrat des preußischen Landkreises Höxter. Sein Sohn Friedrich Freiherr von Wolff-Metternich folgte ihm im Amt und war Landrat von 1845 bis 1887.

Insbesondere zur Zeit des Alten Reiches bis in das 19. Jahrhundert hinein war die Adelsfamilie von Wolff-Metternich mit den Geschicken des Ortes eng verwoben. Der Schloss- und Gutsbetrieb war ein wichtiger Arbeitgeber im Ort.

 

 

Wehrden – das Weserdorf

Das Augenfälligste an Wehrden ist naturgemäß seine Lage an der Weser. Der Fluß bot in unruhigen Zeiten eine gewissen Schutz nach Osten, bedrohte aber zuweilen durch Hochwasser das Eigentum oder gar das Leben der Wehrdener. Das größte Hochwasser, das die Weser je führte, war wohl das des Jahres 1342. Dann folgten die Hochwasser, nach der Höhe des Wasserstandes, der Jahre 1552, 1643 1682, 1841, 1799, 1943, 1946, 1764, 1909, I947, I926, l939.  Wehrden hatte wegen seiner direkten Lage an der Weser viel unter Hochwasser zu leiden. Besonders stark wurde immer das Unterdorf in Mitleidenschaft gezogen. Unvergessen bleibt vielen älteren Wehrdenern die Bombardierung der Edertalsperre. Nachdem am 17.5.1943 die Sperrmauer der Edertalsperre durch britische Bomber zerstört wurde, kam es am nächsten Tag zu einem Hochwasser von katastrophalem Ausmaß. Das Wasser der Weser erreichte die Dorfmitte und war vor der Bäckerei Potthast kniehoch. Es zog sich erst gegen Abend langsam zurück und hinterließ eine Spur der Verwüstung.

Bis die Eisenbahn und das Kraftfahrzeug den Warenverkehr übernahmen, war die Oberweser ein bedeutender Handelsweg. Davon profitierten auch die Wehrdener. Bevor die Dampfschiffe aufkamen -1843 passierte erstmals ein Dampfschiff den Weserort- konnten sich Pferdebesitzer ein willkommenes Zubrot beim Treideln, dem Flussaufwärtsziehen der Lastkähne, verdienen. Eine Gierseil-Fähre setzte ganze Fuhrwerke über die Weser und ersparte den Gespannen die weiten Umwege über die Brücken. Wehrden war bis 1960 ein wichtiger Fährort, der mit dem Bahnhof noch an Bedeutung gewonnen hatte.

Von der einstmals bedeutenden Weserschifffahrt sind heute auf der Oberweser praktisch nur noch der touristische und der Freizeitverkehr von Bedeutung.

Das gilt auch für die beliebte Weserfähre, die heute vor allem Wanderer und Fahrradfahrer von einem Ufer zum anderen übersetzt.

Wehrden – das Blumendorf

Im Jahre 1841 hatte der ehemalige Schlossgärtner Max Kornacker in Wehrden eine Samenzucht mit Samenhandel gegründet. Mit dem Eisenbahnanschluss in Wehrden im Jahre 1876 begann für das Unternehmen ein beispielloser Aufschwung. Der Betrieb wuchs erfolgreich und sandte bald Zier- und Nutzpflanzensamen in die ganze Welt. Die Betriebsgebäude an der Godelheimer Straße wurden ständig erweitert, umgebaut und mit modernsten Maschinen ausgestattet. Im Jahr 1922 wurde das noch vielen Wehrdenern bekannte vierstöckige Lager- und Betriebsgebäude an der Godelheimer Straße fertiggestellt, das im Januar 1981 bis auf die Grundmauern nieder brannte.

In den 1920er Jahren war das Unternehmen zeitweise der größte Steuerzahler im Kreis Höxter und hatte 1928 bereits ca. 150 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. In den 1930er Jahren erreichte das Unternehmen seine Blütezeit. Man eröffnete Zweigbetriebe in Münster, Lübeck und Hattingen, später nach der Besetzung Polens auch in Kutno und Posen. Sämereien und Blumenzwiebel aus Wehrden wurden nach ganz Europa, nach Afrika und Südamerika geliefert. Die Mitarbeiterzahl erreichte in der Saison bis zu 300 Beschäftigte. 1937 konnte ein großer Feldsaatenspeicher mit eigenem Gleisanschluss am Bahnhof in Betrieb genommen werden. Er wurde noch in den letzten Kriegtagen am 06.04.1945 in Brand geschossen und brannte völlig aus.

 

 

Die Blumen- und Gemüsefelder der Kornacker’schen Samenzucht bestimmten über ein Jahrhundert den Anblick des Dorfumfeldes. Auf den Ackerflächen rund um den Ort entstanden Blumen- und Gemüsefelder zur Anzucht von Sämereien, die im Frühjahr in voller Blüte standen. So bekam Wehrden die Bezeichnung „Blumendorf“.

 

Noch bis in die 1950er Jahre dominierten ausgedehnte Blumenfelder und der Staudengarten in der Dorfmitte das Ortsbild. Aber bereits seit Anfang der 1950er Jahre kam das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Absatzmärkte im Osten und in anderen Ländern waren weg gebrochen und aus Holland drängten Konkurrenten auf den Markt. Schließlich musste das Unternehmen im August 1958 Konkurs anmelden. Damit ging für unser Heimatdorf nach 117 Jahren die Ära als Blumendorf zu Ende.

 

 

Wehrden – das Eisenbahnerdorf

Am 15. Oktober 1876 begann für unser Heimatdorf ein neues Zeitalter. An diesem Tag wurde die Eisenbahnstrecke Holzminden-Scherfede eröffnet, an der Wehrden mit einem Bahnhof lag. Knapp zwei Jahre später wurde dann 1878 die Strecke von Ottbergen nach Northeim in Betrieb genommen. Die Linien kreuzten sich sich in Wehrden und machten den Ort zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt und Umsteigebahnhof, der über ein Jahrhundert lang für den Ort ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor von überregionaler Bedeutung war und bei Bahnreisenden zum festen Begriff wurde. Der ortsansässige Samenzuchtbetrieb Max Kornacker erhielt ein direktes Anschlussgleis zu seinem Saatgutspeicher und konnte nun seine Produkte von Wehrden in alle Welt transportieren. Weil der Bahnbetrieb damals noch großen Personaleinsatz erforderte, fanden viele Wehrdener einen sicheren und auskömmlichen Arbeitsplatz bei der Reichsbahn und später bei der Bundesbahn. So wurde Wehrden zum Eisenbahnerdorf.

Der Vorteil erwies sich im zweiten Weltkrieg allerdings zum Nachteil: Während des zweiten Weltkrieges hatte der Bahnhof Wehrden durch die Zerstörung des Eisenbahnviaduktes in Altenbeken eine erhebliche strategische Bedeutung. Dadurch und weil der Ort zwischen zwei Eisenbahnbrücken lag, die Weser überquerten, wurde der Bahnhof und die Schienenstränge zu einem bevorzugten Angriffsziel alliierter Bomber, was im ganzen Ort Angst und Schrecken auslöste und 8 Menschenopfer forderte. Viele Gebäude wurden zerstört und es entstanden erhebliche Sachschäden.

Mit der Stilllegung der Strecke Holzminden – Scherfede im Jahr 1984 verlor Wehrden seine Bedeutung als Eisenbahnkotenpunkt. Aus dem Bahnhof, der 1987 vollständig abgerissen wurde, entstand ein einfacher Haltepunkt für den regionalen Schienenverkehr, der bis heute auf der Strecke zwischen Ottbergen und Göttingen betrieben wird.

 

 

 

Heimatlied Wehrden/Weser

Wo die schöne Weser längs dem Solling fließt,
wo der hohe Wildberg dich vom weitem grüßt,
wo der schöne Steinberg und die Hegge steh’n,
kannst du meine Heimat und mein Wehrden seh’n.
/: Wir zieh’n ins Weserland, ins schöne Heimatland,
ich will dich lieben, bis in den Tod:/

Dort im Tal der Weser steht mein Vaterhaus,
viele Menschen gehen fröhlich ein und aus.
Wo die alte Kirche und der Schlossturm steh’n,
kannst du meine Heimat und mein Wehrden seh’n, kannst …
/: Wir zieh’n ins Weserland, ins schöne Heimatland,
ich will dich lieben, bis in den Tod:/

Wegen Sand und Kies jetzt viele Baggerseen,
zwischen Feldern nah der Weser sind zu seh’n,
wo die Fische springen, an die Angel geh’n,
kannst Du meine Heimat und mein Wehrden seh’n, kannst …
/: Wir zieh’n ins Weserland, ins schöne Heimatland,
ich will dich lieben, bis in den Tod:/

Fernweh trieb mich manchmal von der Heimat fort,
viel bestaunend zog ich dann von Ort zu Ort,
doch wo ich auch weilte, war es noch so schön,
wollt ich meine Heimat und mein Wehrden seh’n, wollt …
/: Wir zieh’n ins Weserland, ins schöne Heimatland,
ich will dich lieben, bis in den Tod:/

Zeiten kommen wie die Menschen und vergeh’n,
meine Weserheimat aber bleibt besteh’n.
Kommt der Tod auch, ist’s im Himmel noch so schön,
ich möcht’ meine Heimat und mein Wehrden seh’n,
ich möcht’ meine Heimat und mein Wehrden seh’n,
/: Wir zieh’n ins Weserland, ins schöne Heimatland,
ich will dich lieben, bis in den Tod:/

Melodie: Weserlied Text: Pastor Josef Scholle