Früher Kartoffeln – heute Kunst

Künstler Helmut Benz gestaltet bunten Garten am Wehrdener Schießstand

 

Vor einem Jahr kennzeichnete die örtliche Vereinsgemeinschaft fünf Wanderwege in und um Wehrden. Eine der Routen führt auf den Wildberg – und entlang eines ganz besonderen Kunstwerkes mit dem unkomplizierten Namen „Garten für Kinder und Erwachsene".

Kaum ein Ort bietet einen überwältigenderen Blick über den geschwungenen Horizont des Sollings als der Wildberg zwischen Wehrden und Amelunxen. Um sich faszinieren zu lassen, kann man dem Wanderweg vom Tal hinauf, entlang des Wehrdener Schießstandes bis hin zur alten Burgruine auf dem Gipfel folgen. Oder man macht Halt vor dem Waldrand, zwischen den Feldern und Kirschbäumen, wo Helmut Benz seinen bunten, daher kaum zu übersehenden Garten inmitten der Wesernatur geschaffen hat. Nach vier Jahren Arbeit stehe das facettenreiche Kunstwerk des 76-Jährigen vor der vorläufigen Vollendung. Besuchen kann ihn jeder, ein Tor gibt es nicht.

„Ich hoffe, dass viele wissbegierige Menschen herkommen und sich begeistern lassen", erklärt Benz. Mit dem Projekt ziele er darauf ab, vor allem Kindern die Wunder der Natur, Nachhaltigkeit und Informationen über die Region näher zu bringen.

Eine Leidenschaft für die Farbe, für die Natur und Forschung hat der Künstler schon immer. Er studierte Germanistik, Theologie, Philosophie und Kunst, arbeitete lange Zeit als Lehrer, unter anderem für katholische Religionslehre, und begeistert sich seit jeher für Denkaufgaben – und deren künstlerische Umsetzung. „Mein Bestreben ist nicht, naturalistisch zu arbeiten", betont Helmut Benz.

Diese Einstellung geht auch durchaus aus einigen seiner Werke hervor, dennoch erahnt der Betrachter nach längerem Betrachten des Gemäldes oder jenem künstlerischen Konstrukt, von denen der Garten geziert ist, welches Motiv Benz während des Entstehungsprozesses im Kopf gehabt haben könnte. Ein Großteil der Bilder im Garten, insgesamt 32 Motive in vier ständig wechselnden Zyklen, sind Email-Arbeiten.

Diese Art der Kunst, die laut Benz in Norddeutschland nur wenig verbreitet ist, unterliegt einem langwierigen Prozess, bei dem zuerst die Silhouetten der Bildelemente aus Kupferdraht auf eine Platte, ebenso aus Kupfer, gelegt werden. Nach einem ersten Brenndurchgang im Ofen gibt der Künstler die Email-Farbe auf den Untergrund. „Hier ist Vorsicht geboten, sonst platzt die Glasur vom Kupfer", betont Benz.

Er hat sich diese schwierige Arbeitsweise zu eigen gemacht, obwohl es noch 49 weitere Möglichkeiten gibt, Motive aus Email zu erstellen: „Mit meiner Technik habe ich alles ausdrücken können, was ich ausdrücken wollte.

" Für ein Bild mit den Maßen 20cm x 30cm braucht der Künstler zehn Stunden. Dann kann er das Werk auf einen der Sandsteinsockel neben die anderen Email-Arbeiten stellen. Dort findet sich auch sein persönliches Lieblingsmotiv, der „Todesmarsch von Königsberg" aus seinem Holocaust-Zyklus. „Der Garten soll zum Nachdenken anregen – über das Kommen und Gehen", so Benz.

Alles hat seine Bedeutung – und alles ist vergänglich. „Die Steine stehen für die Ewigkeit, Blumen für die Freude und das Glück, und der Kirschbaum für das Leben", erklärt der Künstler und zeigt auf das grüne Dach über dem Garten. „Der Baum ist gut 90 Jahre alt." Hubertus Benz' Schwiegervater hat ihn hier am Fuß des Wildbergs gepflanzt, als das Grundstück noch ein Kartoffelgarten war. Jetzt ist er ein Teil des Gesamtkunstwerks und wirft seinen großen Schatten über die Hochbeete und Kieswege, die dem außergewöhnlichen Garten seine Form geben. 

„Man hat stets etwas zu tun", erzählt Benz abschließend. „An einigen Schrauben wird immer gedreht." Während über dem Solling die Dämmerung beginnt, schaltet sich der kleine solarbetriebene Brunnen aus. Die Bienen fliegen zurück ins Insektenhotel.

Die bunten Farben spiegeln ein letztes mal das Sonnenlicht wider, bereit, am nächsten Tag erneut viele neugierigen Besucher zu beeindrucken.

Sollte Interesse für eine persönliche Führung bestehen, so ist das in Absprache mit Hubertus Benz (05273/5641) möglich.

Der Garten ist stets geöffnet und kostenlos zu besuchen. Sogar einen Grillplatz gibt es – und jede Menge zu entdecken.

 

Quelle: WB/Roman Winkelhahn und

Foto:Roman Winkelhahn.